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Ursulinen Kloster Würzburg

St. Ursula - "Ursula - eine schöne Frau mit Profil"
21. Oktober 2010

Spr 31,10-31; Joh 20,11-18

 

Liebe Schülerinnen, liebe Schwestern, Kollegen und Eltern,

die Geschichte der Heiligen Ursula wird zum großen Teil in Legenden überliefert. Deshalb wissen wir nicht ganz genau, wie sie gelebt hat und was ihr wichtig war. Trotzdem können wir einige wichtige Züge von ihrem Charakter und ihrem christlichen Leben erkennen. Wir haben sie in unserem heutigen Gottesdienst als eine "schöne Frau mit Profil" bezeichnet und haben auch schon einige Meinungen von Schülerinnen aus verschiedenen Jahrgängen gehört, die sich überlegt haben, was das bedeutet. Ich glaube, dass die Heilige Ursula mit diesen beiden Aspekten Schönheit und Profil etwas ganz Grundlegendes über das christliche Leben ganz allgemein aussagt.

Zuerst haben wir Ursula als schön charakterisiert. Diese Eigenschaft möchte jeder und jede von uns haben, das ist ein sehr verbreitetes Ideal. Was wird heute nicht alles für die Schönheit getan! Wie viel Geld wird schon von Jugendlichen für Körperpflege ausgegeben, manche Menschen lassen sogar ihren Körper operieren, weil sie meinen, dadurch schöner zu werden. Und wie wichtig ist heutzutage die richtige Kleidung, wehe wenn man nicht nach der neuesten Mode angezogen ist! Doch bei Ursula geht es nicht in erster Linie um äußerliche Schönheit, sondern um eine innerliche Schönheit, die etwas mit dem Herzen zu tun hat und die nicht vergänglich ist, wie die Äußerlichkeiten. Ich meine eine Schönheit, von der wir auch in der Lesung gehört haben aus dem Buch der Sprichwörter. Äußerliche Schönheit macht häufig eitel und eingebildet, man fühlt sich den anderen überlegen und wird stolz und manchmal arrogant. Das erleben wir alle ziemlich häufig. Aber eine Schönheit des Herzens macht offen für die anderen, sie fühlt sich nicht gut oder den anderen überlegen, sondern sie weiß, dass wir unser ganzes Leben Gott verdanken und dass die wahre Schönheit darin liegt, den Freundschaft zu schenken, hilfsbereit zu sein, andere und besonders Schwächere zu unterstützen. Deshalb heißt es im Buch der Sprichwörter: "Trügerisch ist Anmut, vergänglich die Schönheit, nur eine gottesfürchtige Frau verdient Lob". Damit ist gemeint, dass die wahre Schönheit ein Geschenk Gottes ist und etwas mit Liebe und Freundschaft zu tun hat. Die Heilige Ursula war schön und attraktiv, weil sie ein großes Herz für die anderen hatte, weil sie sich ganz für ihre Gemeinschaft eingesetzt hat, weil sie ihren Freundinnen geholfen hat. Es ging ihr nicht in erster Linie um ihre Karriere, dann hätte sie den reichen König sofort heiraten können. Es ging ihr um eine menschliche Welt, um Frieden unter den Völkern. Dadurch war sie schön, anziehend und hat viele Menschen beeindruckt und begeistert. Ursula lädt uns heute alle ein, uns um diese innere Schönheit im Herzen zu bemühen.

Als zweite Eigenschaft haben wir noch gesagt, dass Ursula eine Frau mit Profil war. Der christliche Glaube und die Freundschaft mit Jesus haben sie nicht schwach gemacht, sondern ihr eine feste Überzeugung geschenkt, für die sie sich dann auch eingesetzt hat. Auch wenn Frauen damals viel weniger Einfluss hatten als heute, hat sie doch viel bewirkt, weil Jesus ihr eine Würde geschenkt hat. So wie bei Maria Magdalena aus dem Evangelium, die von allen verachtet wurde, weil sie eine Außenseiterin war, weil sie einen schlechten Ruf hatte. Doch Jesus hat sie mit ihren Fehlern und Schwächen angenommen, dadurch hat er ihr Mut gemacht und ihr Leben verändert. Deshalb hatte sie auch keine Angst, bei ihm zu bleiben, als er verhaftet und gekreuzigt wurde. Deshalb war sie auch beim Grab, während die Jünger sich aus Angst versteckten. Maria, wie auch Ursula haben in der Freundschaft mit Jesus die Kraft gefunden, ihre Schwächen zu überwinden und etwas für andere zu tun. Sie haben gelernt, dass ihr Leben wichtig ist, nicht weil sie besonders bedeutend sind, sondern weil sie viel für andere Menschen und die Gemeinschaft mit den Mitmenschen tun können. So hatte Maria den Mut, die Apostel aufzurütteln, sie war ganz fest davon überzeugt, dass Jesus lebt. Das hat auch die Hl. Ursula den Menschen bezeugt und ihnen dadurch geholfen. Ein Profil zu zeigen bedeutet, für bestimmte Überzeugungen einzustehen und sich einzusetzen. Es bedeutet nicht, sich gegen andere zu stellen, andere schlecht zu machen oder zu verachten, sondern ihnen vom eigenen Glauben und von eigenen Erfahrungen etwas zu vermitteln und ihnen dadurch zu helfen. Ein Mensch mit Profil ist nicht aggressiv, sondern hilfsbereit. In dieser Hinsicht macht uns die Hl. Ursula auch heute Mut, für unsere Überzeugungen einzutreten, die wir von Jesus lernen. Diese Überzeugungen sind z.B. Rücksichtnahme auf Schwächere, Einsatz für ein gutes Miteinander in der Klasse und in der Schule, Offenheit für die Not in der Welt und Solidarität mit den Leidenden.

Die Hl. Ursula kann uns heute deshalb auch Hinweise für unsere Schule geben, der sie den Namen gegeben hat. Unsere Schule wird schön und attraktiv sein, wenn sie etwas von der inneren Schönheit des Herzens ausstrahlt, wie es Ursula tat. Wenn der Geist der Hilfsbereitschaft und Gemeinschaft lebendig ist und nicht egoistisches Eigeninteresse und Ausgrenzung der Schwachen vorherrschen, werden wir in unserer Stadt eine Schule sein, die überall beliebt ist. Wenn wir uns stark machen für Projekte im christlichen Geist, für eine offene Schule, die sich auch für andere engagiert, dann wird unsere Schule für ihr Profil bekannt sein, das wir gerade in der heutigen Zeit brauchen, in der sich viele Menschen nur noch für sich selbst einsetzen. Bitten wir heute, dass unsere Schule in dieser Hinsicht nicht nur den Namen der Hl. Ursula trägt, sondern auch die innere Schönheit des Herzens und der Menschlichkeit ausstrahlt und sich durch ein christliches Profil auszeichnet.

Pfr. Matthias Leineweber